Stellungnahme von Prof. Volker Diehl/ Köln, zu CAM und integrative Medizin

PDF-Download hier (213 KB)


Artikel von Dr. Jutta Hübner/Frankfurt (PriO), zum Thema „Komplementäre Medizin und wissenschaftliche Medizin – brauchen wir einen Paradigmenwechsel?“

PDF-Download hier (434 KB)

Psycho-Onkologie ikO

Psychoonkologie bzw. Psychosoziale Onkologie beschreibt eine (noch) relativ neue interdisziplinäre Form der Psychotherapie bzw. klinischen Psychologie, welche sich mit den psychischen und sozialen einschließlich sozialrechtlichen Bedingungen, Folgen und Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung befasst.

Psychoonkologie beschreibt sowohl die Tätigkeit des praktischen Psychoonkologen, etwa im klinischen oder ambulanten Setting, als auch die Wissenschaftsdisziplin.

Die Psychoonkologie als Wissenschaft begann in den 70er Jahren zunächst mit der Untersuchung von psychosozialen Faktoren, die für die Entstehung einer Krebserkrankung mitverantwortlich sein sollte (Psychoimmunologie). Bekannt geworden ist in diesem Kontext die in den 1980er Jahren postulierte Behauptung, der zufolge das Krebsrisiko hoch mit bestimmten Persönlichkeitszügen korreliere, die sich im „Persönlichkeitstyp C“ verdichten. Der „Typ C“ repräsentiert unselbständige und überangepasste Menschen, die antriebsgehemmt, defensiv und depressiv erscheinen und nicht in der Lage sind, ihre Gefühle angemessen auszudrücken. Inzwischen ist das Konstrukt der „Krebspersönlichkeit“ von der Wissenschaft weitgehend verworfen, erfreut sich aber dennoch im Alltagsdenken recht großer Popularität und wird nach wie vor auch von einzelnen Wissenschaftlern verfochten – zumeist ohne fundierte systematische Belege.

Seit den 1990er Jahren wird zunehmend die Frage diskutiert, welche psychischen Belastungen oder manifesten Störungen sich infolge einer Krebserkrankung entwickeln können und in welcher Form diese sich auf die Lebensqualität der Betroffenen oder auf medizinisch-klinische Aspekte (z. B. auf die Therapieresonanz) auswirken können. Ein wichtiger Aspekt hierbei betrifft die Konstruktion und Anwendung valider und krebsspezifischer Messinstrumente zur Erfassung der psychischen Komorbidität. Damit im Zusammenhang steht die Suche nach Faktoren, welche eine psychische Begleiterkrankung möglichst sicher prognostizieren können – was im Umkehrschluss die Möglichkeit eröffnet, sie rasch und frühzeitig psychosozial zu versorgen.

Bei etwa einem Drittel aller Krebspatienten muss man von einer schweren psychischen Belastung im Sinne einer Komorbidität ausgehen.

Im praktischen Betreuungs- oder Therapiekontext obliegt es dem Psychoonkologen, den Patienten bei der Krankheitsverarbeitung mittels unterschiedlicher Techniken zu unterstützen (z.B. Krisenintervention, ressourcenorientierte Interventionen, imaginative Verfahren). Hierbei ist - wenn möglich - immer auch das persönliche soziale Umfeld der betroffenen Person zu integrieren. Psychoonkologische Versorgung sollte in allen Phasen der Erkrankung sichergestellt sein, also während der Akutbehandlung, der Rehabilitation und ggf. auch während des Sterbeprozesses.

Der Tätigkeit der Psychoonkologen begegnet man kaum in der klinischen Routine. Außerhalb von Schwerpunkt- und Kompetenzzentren wird meist eine psychologische Betreuung angeboten, welche psychoonkologische Betreuung mit einschließt. Es ist wichtig, in der ärztlichen Tätigkeit psychoonkologische Faktoren mit zu berücksichtigen, so etwa bei der Diagnosemitteilung wie auch bei der Beantwortung oder dem Umgang bezüglich Prognose, Verlauf, vorhersehbarem Leiden und Schmerzen. Die Grundsätze der Psychoonkologie sollten selbstverständlich nicht nur im onkologischen Bereich gelten, sondern allgemein auf chronisch Kranke und andere schwere, psychisch belastende Krankheitssituationen übertragbar sein. Psychoonkologisch geschult sollte also nicht nur der/die betreffende klinische PsychologIn/PsychotherapeutIn sein, sondern auch sämtliches ärztliches Personal, Pfleger etc.

Auf fachlicher Ebene organisiert sich die Psychoonkologie in der Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie e.V (dapo), wissenschaftlich in der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (PSO).
ikO