Artikel von Dr. Maja Falckenberg/Hamburg, zum Thema „Cannabinoide in der Palliativmedizin: Der Status quo“

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Komplementäre und alternative Methoden in der Palliativmedizin

Der Einsatz komplementärmedizinischer und alternativer Methoden bei Patienten mit fortgeschrittener Tumorerkrankung ist aus der Patienten – wie der Arztperspektive zu betrachten.

Die meisten Onkologen stehen der Anwendung komplementärer Substanzen während aktiver Therapiephasen aufgrund der befürchteten Wechselwirkungen ablehnend gegenüber. Wenn aber bei fortgeschrittenem Tumor keine direkt gegen den Tumor gerichtete Therapie mehr möglich ist, dann scheint es eine höhere Toleranz zu geben.

Wie viele Patienten mit einem sehr weit fortgeschrittenen Tumor auf diese Methoden vertrauen und ob sie es allein unter Verzicht auf die Therapie beim Onkologen oder in einer Kombination tun wissen wir nicht.

Aus Patientensicht ergeben sich heute viele Möglichkeiten der Information. Insbesondere Internet und Chatrooms stellen eine Quelle dar und dort werden immer wieder alternative Therapieangebote präsentiert, die sich als Ersatz und „anderer Weg“ anbieten. Hier ist es sehr schwierig bis fast unmöglich seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden. Gerade Patienten, denen Ärzte sagen müssen, dass die sinnvollen Möglichkeiten der direkten antitumoralen Therapien ausgeschöpft sind, werden hier häufig von Vertretern der Alternativen Medizin angesprochen und mit Heilsversprechungen angelockt. Häufig sind diese Internetseiten sehr gut aufgemacht. Immer wieder finden sich Fallberichte von angeblich von der Schulmedizin als „austherapiert“ weggeschickten Patienten, die sich nun nach Anwendung dieser oder jeder Therapie geheilt bester Gesundheit erfreuen. Galt früher Papier ist geduldig, so gilt dies noch mehr für das Internet.

Vier Muster lassen sich erkennen, mit denen Patienten häufig überzeugt werden sollen (nach Hübner 2010):

1. Methoden der klassischen Naturheilkunde, die als sanft und nebenwirkungsarm dargestellt werden und auf eine lange Tradition und Erfahrungswissen verweisen

2. Methoden und insbesondere Substanzen aus fremden Ländern, die ein neu entdecktes „Wundermittel“ enthalten, welche schon lange Bestandteil der traditionellen Medizin seien und was erklärt, warum in diesen Ländern Krebs so selten ist . (Aber Krebserkrankungen nehmen mit dem Alter zu, daher ist Krebs in Gesellschaften, in denen ein großer Teil der Bevölkerung jung an Infektionen stirbt, tatsächlich selten)

3. Methoden die sich in Namensgebung und der Beschreibung für den Laien (und auch für nicht-onkologische Ärzte) nicht von den aktuellen Forschungsfeldern der Onkologie unterscheiden und durch einen angeblichen Forschungsvorsprung der Anbieter schon zur Verfügung stehen, während sie sonst nur in Studien angewendet werden (Beispiele sind Tumorimpfung, dendritische Zellen oder onkolytische Viren). Aus wissenschaftlicher Sicht sind diese Methoden sehr interessant, aber noch nicht so weit entwickelt, dass wir sie schon außerhalb von Studien effektiv und sicher anwenden könnten.

4. Therapien, die auf der Erkenntnis der Anbieter, wie Krebs wirklich entsteht, beruhen. Die „Schulmedizin“ geht angeblich von ganz falschen Erklärungen zur Tumorentstehung aus und verwendet deshalb auch die falschen (giftigen und schädlichen) Therapien. Die richtige Erkenntnis führt zu einfachen Therapie-Möglichkeiten , die von der gegen sie „verschworenen“ Ärzteschaft und Pharmaindustrie unterdrückt werden, weil damit der Profit der Industrie und der Ärzte gefährdet wird.

Dass Patienten in einer fortgeschrittenen Tumorsituation auf diese Informationsquellen zurück greifen, ist durchaus verständlich.

Einige Patienten verbringen ihre letzte Zeit mit der Reise zu Heilern und Gurus, die das Blaue vom Himmel versprechen und geben dabei große Geldsummen aus, die die Familien teilweise in den finanziellen Ruin treiben. Immer wieder wird ihnen versprochen, dass sie sich dieses Geld hinterher von den Krankenkassen zur Not über eine gerichtliche Klage holen können – die Enttäuschung kann bitter sein.

Was kann nun die komplementäre Medizin in der Palliativmedizin leisten?

Wie in der Begleittherapie können unterstützende komplementäre Maßnahmen (wie Ingwerwasser gegen Übelkeit, Ginseng gegen Fatigue, Massagen und Entspannungsverfahren oder Visualisierungen und andere Techniken, die der Mediation verwandt sind, um nur ein paar Beipiele zu nennen) sehr hilfreich sein und sollten auch gezielt ausgewählt werden. Es gibt einige komplementärmedizinische Ansätze, die in der Palliativmedizin angewendet werden können, unter der Prämisse, das Wohlbefinden und die Lebensqualität des Betroffenen zu steigern.

Zu beachten ist, dass auch hier die Hand erfahrener Hausärzte, Onkologen oder Palliativmediziner gefragt sind, die diese Methoden auf die Basis(Palliativ-)Therapie abstimmen sollten.

Im September 2010 hat Dr. Gronau als wissenschaftlicher Direktor des ikO in Kooperation mit Frau PD Dr. Jutta Hübner, Vorsitzende der DKG-Arbeitsgemeinschaft „Prävention und Integrative Onkologie“ (PRIO) in der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) die Arbeitsgruppe „Komplementäre und Alternative Ansätze“ (AG CAM PallMed) gegründet.

Die Hintergründe und Aufgaben der Arbeitsgruppe finden Sie unter folgendem LINK (PDF-Datei mit ca. 94 KB): Arbeitsgruppe „Komplementäre Alternative Ansätze (CAM PallMed)“

Den direkten Link zur Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin AG Cam PallMed finden Sie HIER.

Das iKO möchte hier Anregungen geben und Methoden aufzeigen, die zurzeit diskutiert werden und die in der Palliativmedizin teilweise schon Anwendung finden.
ikO